06. Januar 2011 13:30

Steuerliche Änderungen 2011 - mit Expertentipps

von UE

Steuerzahler müssen für 2011 einige Änderungen im Steuerrecht, insbesondere im Einkommensteuerrecht, beachten. Der Präsident des Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt e.V., Prof. Dr. H.-Michael Korth, gibt Tipps, die für künftige Einkommen-steuererklärungen nützlich sein können.

Arbeitszimmer

Steuerpflichtige können Aufwendungen bis maximal 1.250 Euro im Jahr geltend machen, wenn sie sich ein häusliches Arbeitszimmer einrichten und ihnen für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
Dies gilt rückwirkend ab 2007 in offenen Fällen. Hierbei handelt es sich um Fälle, in denen entweder noch kein Steuer- oder Feststellungsbescheid, ein etwaiger Bescheid vorläufig oder unter Vorbehalt der Nachprüfung ergangen ist oder ein Einspruch gegen den Steuer- bzw. Feststellungsbescheid vorliegt. Bestandskräftige Bescheide sind von der Regelung ausgenommen.

Der Expertentipp: Um dem Finanzamt gegenüber zu dokumentieren, dass Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abzugsfähig sind, sollten Steuerzahler eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen, dass sie für bestimmte berufliche Tätigkeiten am Arbeitsort keinen geeigneten Arbeitsplatz vorfinden, so dass sie für diese Tätigkeiten auf ein häusliches Arbeitszimmer angewiesen sind.

Lohnsteuerkarte

Die Lohnsteuerkarte in Papierform wird es künftig nicht mehr geben, weil die Finanzverwaltung schrittweise auf ein elektronisches Verfahren umstellt. Die Lohnsteuerkarte 2010 bleibt übergangsweise allerdings auch für 2011 gültig. Arbeitgeber dürfen die Lohnsteuerkarten deshalb nicht schon jetzt vernichten, sondern erst, wenn auf das elektronische Verfahren umgestellt worden ist. Wann dies soweit ist, wird das Bundesfinanzministerium noch gesondert mitteilen. Besitzen Arbeitnehmer – aus welchem Grunde auch immer – keine Lohnsteuerkarte für 2010, stellen die Finanzämter auf Antrag Ersatzbescheinigungen aus.

Der Expertentipp: Künftig werden die Finanzämter die volle Zuständigkeit für alle steuerrelevanten Daten übernehmen. Steuerzahler müssen daher alle Freibeträge oder einen Wechsel der Lohnsteuerklasse beim Finanzamt beantragen. Die Gemeindeverwaltungen sind in das Verfahren nicht mehr einbezogen.

Freistellungsverfahren

Steuerzahler, die Kapitalerträge erzielen, können bei ihren Kreditinstituten einen Freistellungsauftrag beantragen. Ab 2011 müssen sie den Banken hierfür ihre Steueridentifikationsnummer mitteilen. Dadurch will die Finanzverwaltung die Datensicherung und die Zuordnung der einzelnen Freistellungsaufträge verbessern.

Der Expertentipp: Wer einen neuen Freistellungsauftrag beantragt, sollte seiner Bank die Steueridentifikationsnummer unbedingt mitteilen. Fehlt die Nummer, unterliegen Zinsen und Dividenden der Kapitalertragsteuer.

Spekulationsgeschäfte mit Gebrauchsgütern

Private Veräußerungsgeschäfte mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs sind innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist nicht mehr steuerbar. Damit können Verluste, die beispielsweise durch die Anschaffung und Veräußerung eines Pkw oder von Einrichtungsgegenständen einer Wohnung innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist angefallen sind, nicht mehr steuermindernd geltend gemacht werden.

Der Expertentipp: Wer einen Gebrauchsgegenstand bis zum Tag der Verkündung des Jahressteuergesetzes 2010, dem 13.12.2010, veräußert hat, kann einen innerhalb der Spekulationsfrist erzielten Verlust noch steuermindernd geltend machen.

Ehrenamtliche Betreuer

Steuerpflichtige, die als ehrenamtliche Vormünder, Betreuer oder Pfleger eine Aufwandsentschädigung erhalten, werden ab dem Veranlagungszeitraum 2011 bis zu einem Betrag von 2.100 Euro von der Steuer befreit.

Der Expertentipp: Insoweit muss man beachten, dass auf diesen Freibetrag daneben erzielte Einnahmen, zum Beispiel aus einer Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder oder Erzieher, angerechnet werden. Das heißt, insgesamt gilt nur ein Freibetrag von 2.100 Euro.

Kirchensteuerabzug bei Abgeltungsteuer

Steuerzahler müssen Kapitalerträge, die nicht der Kapitalertragsteuer unterliegen, so zum Beispiel im Ausland angefallene Kapitalerträge, in ihrer Einkommensteuererklärung angeben. Bei der Steuerfestsetzung fällt sodann die Abgeltungsteuer an. Ist der Steuerpflichtige kirchensteuerpflichtig, erfolgt eine pauschale Minderung der Kapitalerträge. Bislang konnte man für die auf diesen Kapitalerträgen beruhende Kirchensteuer einen Sonderausgabenabzug geltend machen. Der Gesetzgeber hat diese „Doppelbegünstigung“ beseitigt.

Der Expertentipp: Die Änderung gilt erstmals ab dem Veranlagungszeitraum 2011. Für vor diesem Zeitraum liegende Kapitalerträge ist der Sonderausgabenabzug noch möglich.

Handwerkerleistungen

Grundsätzlich können Steuerpflichtige eine Steuerermäßigung geltend machen, wenn sie einen Handwerker, zum Beispiel für die Instandhaltung ihres Hauses, beschäftigen. Um Doppelförderungen zu vermeiden, hat der Gesetzgeber nun bestimmte Förderprogramme der Länder von der Begünstigung ausgeschlossen. Dazu zählen beispielsweise die Förderprogramme „Altersgerecht umbauen“ oder „Zur Förderung energetischer Renovierung, Erhaltung und Modernisierung“ sowie andere vergleichbare Förderprogramme der Länder.

Der Expertentipp: Lassen Sie sich von einem Steuerberater beraten, um alle Sparpotentiale auszuschöpfen.

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